Airbrush

Farbenspiele…

Jetzt beginnt der spannende Teil des Customising-Abenteuers!

Zunächst sollte man sich Gedanken über die Farbkompositionen machen und verschiedene Varianten auf einem Probestück ausprobieren. Gedankenentwürfe entpuppen sich auch hier manchmal als Geschmacksverirrung und Farben, die man nie kombiniert hätte, schaffen plötzlich interessante Kontraste und Effekte.

Oberstes Ziel ist es zunächst, die Farbe ordentlich und ohne Makel auf die Oberfläche zu bringen. Dazu müssen alle Teile staub- und schmutzfrei sein. Auf wandverbindende, dach- und wandverbindende sowie wand- und fundamentverbindende Teile  und sollte keine Farbe aufgetragen werden. Erfahrungsgemäß halten die Teile dann einfach nicht mehr gut zusammen und selbst nach dem Kleben klaffen eventuell unerwünschte Lücken.

Lückenfüller werden nicht extra bemalt (wer das einmal versucht hat, weiß warum!), sondern vorher in die Wände eingeklebt.

Anschließend werden die Wände innen und außen gebrusht, wobei Trocknungszeiten unbedingt eingehalten werden müssen.

Folgendes Vorgehen hat sich bei mir bewährt:

 

Schritt 1: Einkleben der Lückenfüller

Die Lückenfüller werden mit UHU (flinke Flasche) in die Lücken geklebt und gut festgedrückt. Dabei darf kein Kleber vorne herausquellen. Jetzt sollte man die Teile wirklich über Nacht trocknen lassen. Am nächsten Tag unbedingt prüfen, ob die Lückenfüller fest und unbeweglich sitzen. Falls nicht, noch einmal mit mehr Kleber arbeiten.

Schritt 2: Abkleben der Verbindungsteile

Mit speziellem Airbrush-Abklebeband (MP Premium Tape Gold 18mm) klebe ich nun die Verbindungen zwischen den Wänden ab. Ebenso die Oberseiten der Wände, wo das Dach ansetzt. Am Fundament klebe ich ebenfalls die Verbindungsteile sowie ein wenig darum herum ab.

Es ist darauf zu achten, dass man nicht zu viel abklebt. Nach dem Zusammenbau des Hauses darf selbstverständlich keine unbemalte Stelle herausleuchten.

Schritt 3: Farbe mit Airbrush-Pistole aufbringen

Ich brushe grundsätzlich zuerst die Innenseiten der Wände. Man kommt langsam in die Technik rein, merkt schnell, ob die Farbe wirklich passt und ob die Pistole gut eingestellt ist. Man kann die Innenwände komplett brushen oder nur Ränder/Ecken und Bereiche um die Fensteröffnungen. Das spart natürlich Farbe und nach dem Tapezieren ist ohnehin nichts mehr zu sehen. Die Ecken sollte man besonders sorgfältig brushen, da diese ja immer zu sehen sind. Besonders gut gesprüht werden müssen auch die inneren Ecken der Eckverbinder. Bei den Außenwänden muss man auf gleichmäßige Farbverteilung – insbesondere an oberen und unteren Sockeln sowie um die Lückenfüller herum – achten. Dafür lege ich die Wand immer auf ein Blatt Papier und drehe die Wand bei Bedarf mit dem Papier, damit die Farbe von allen Seiten gesprüht wird. Mittlerweile mache ich das Ganze auch gerne auf einer Drehplatte. Fundament-Teile brushe ich zunächst seitlich, dann auf der Grenze zur Bodenfläche und ein wenig auf die Bodenfläche drauf. An den Aussparungen für die Fenstergitter muss man ein wenig hinein sprühen, ebenso an den Fensteröffnungen der Wände. Das Drehen der Teile ist auch deshalb wichtig, weil diese ja nicht glatt sind und die Farbe ja auch in die Lücken zwischen den Steinen muss. Blendrahmen müssen sehr sorgfältig und zart von allen Seiten gebrusht werden, Dazu muss man ständig drehen, drehen, drehen und den Sprühwinkel ändern, um in alle Ecken zu kommen. Wenig Farbe garantiert, das sich diese nicht in den Ecken und an Rändern sammelt. Das würde sehr hässlich aussehen.

Zu Airbrush-Technik selbst kann man nur sagen: Üben, üben, üben!

Ich gehe so vor: Die Pistole wird zusammen gebaut und an den Kompressor angeschlossen. An der linken Hand trage ich immer einen Einmalhandschuh. Mit dieser Hand berühre ich das Teil auch mal beim Brushen und so bleibt die Hand vor Farbe geschützt. Außerdem hinterlässt eine Handschuhberührung praktisch kaum sichtbare Abdrücke. Zunächst teste ich nun, ob die Pistole ohne Farbe funktioniert. Dann teste ich einmal mit Wasser. Vor Beginn wird nun die Farbmengenregulierung ganz zurück gedreht. Nach dem Einfüllen der Farbe teste ich auf Papier, ob die Pistole richtig eingestellt ist. Dazu drücke ich (Luft kommt) und schiebe den Hebel nach hinten (Farbe kommt), wobei nun fast keine Farbe kommt. Währendessen drehe ich die Farbmengenregulierung so weit auf, dass ein gelichmäßiger, aber nicht zu starker Sprühstrahl herauskommt. Dann trage ich gleichmäßig die Farbe auf.

Merke: Lieber wenig Farbe in vielen Schichten auftragen, das vermeidet nasse Farbklekse, die man nicht mehr korrigieren kann!

Die Farbe sollte nach dem Auftragen fast unmittelbar trocken sein. Ist sie das nicht, muss man die Farbe zurücknehmen. Hat man das Gefühl, dass die Farbe ewig nicht deckt, kann man etwas aufdrehen. Es ist einfach Gefühlssache und man muss es probieren. Da die Farbe sofort trocknet, kann man relativ schnell immer wieder über Stellen brushen, die noch nicht perfekt abgedeckt sind. Sollte einmal zu viel Farbe auf einer Stelle sein, die nicht trocknet, muss man abwarten. Nicht gleich weiter sprühen. Nach und nach wird die Fläche gleichmäßig mit Farbe überzogen sein. Dann sollte man das Teil zum Trocknen weglegen. Erst wenn die Farbe ganz trocken ist, kann man das Ergebnis beurteilen. Sind noch Stellen ungleichmäßig, werden sie erneut vorsichtig übersprüht. Eine gute Beurteilung des Farbauftrags erfordert auch Tageslicht. Nur so werden ungleichmäßige Stellen sichtbar. Kunstlicht erweckt – auch durch Schattenbildung – oft den Eindruck, dass nicht gleichmäßig gesprüht wurde, obwohl alles o.k. ist.

Schritt 4: Trocknen

Ich widme dem Trocknen einen extra Punkt, weil es einfach wichtig ist. Natürlich trocknet die Farbe sofort, wenn sie richtig aufgetragen wird. Dennoch lasse ich alle Teile eine Nacht trocknen. Bei Tageslicht kann ich dann die Qualität des Farbauftrags überprüfen und die Teile sind schön trocken für den Lackauftrag. Vorsicht: Noch nicht getrocknete Teile auf Papier pappen schnell daran an.

Schritt 5: Ausbessern

Farben sind unterschiedlich empfindlich. Manche sind schon nach dem Auftragen geradezu stoßfest (Molotow One4All), andere wiederum sind sehr empfindlich oder sogar etwas „pappig“ (Vallejo Game Air). Sollte irgendwo an winzigen Stellen (z.B. Lückenfüller oder andere herausragende Teile) Farbe abgeplatzt oder abgeschürft sein, kann man dies mit einem Pinsel beheben. Danach wieder gut trocknen lassen. Kratzer auf großen Flächen müssen erneut gebrusht werden, da hilft alles nichts. Allerdings sollte man daran denken, dass die Blendrahmen einen großen Teil der Wände abdecken.

Mehr Tipps und spezielle Techniken für andere Teile (Fenster, Rahmen, Schneegitter usw.) folgen demnächst!

Und nun ran an die Pistole…